Hormonersatztherapie in den Wechseljahren: Pro und Contra
Hormonersatz (HRT) oder Hormonregulation? Meine Sicht als Heilpraktikerin
Hormonersatztherapie ist wieder gesellschaftsfähig geworden.
Und das ist zunächst einmal nichts Schlechtes.
Frauen sprechen heute offener über Wechseljahre. Beschwerden werden ernster genommen. Hitzewallungen, Schlafstörungen, Schleimhautprobleme, Veränderungen der Sexualität oder massive Einschränkungen der Lebensqualität müssen nicht einfach ausgehalten werden.
Was ich allerdings zunehmend kritisch beobachte, ist etwas anderes:
Hormonersatz wird teilweise dargestellt, als könne Frau Hormone einnehmen wie Smarties.
Estradiol fehlt? Estradiol drauf.
Progesteron niedrig? Progesteron dazu.
Libido weg? Vielleicht noch Testosteron.
Und auf Social Media klingt es teilweise so, als wäre damit eigentlich alles geklärt.
Genau an diesem Punkt gehe ich therapeutisch einen anderen Weg.
Nicht, weil ich Hormonersatz grundsätzlich ablehne.
Sondern weil Gesundheit für mich mehr bedeutet als:
Ein Stoff fehlt - also ersetzen wir ihn.
Was ist eine Hormonersatztherapie (HRT)?
Eine Hormonersatztherapie, kurz HRT, bedeutet, dass Hormone, die der Körper nicht mehr ausreichend bildet, von außen zugeführt und damit ersetzt werden.
Heute werden dafür überwiegend bioidentische Hormone verwendet.
Bioidentisch bedeutet, dass die chemische Struktur des eingesetzten Hormons der Struktur
des körpereigenen Hormons entspricht.
Verordnet werden diese Hormone je nach Präparat und Situation zum Beispiel:
als Kapsel
als Gel
als Creme
oder als Pflaster
Typische Beispiele sind bioidentisches Estradiol und bioidentisches Progesteron.
Gynokadin enthält beispielsweise bioidentisches 17-beta-Estradiol und wird als Gel über die Haut angewendet.
Famenita enthält bioidentisches mikronisiertes Progesteron und wird als Kapsel eingesetzt.
Das Grundprinzip der Hormonersatztherapie ist die Substitution:
Fehlen körpereigene Hormone oder werden sie nicht mehr ausreichend gebildet, werden sie in pharmakologisch wirksamer Dosierung von außen zugeführt.
Dabei beginnt die hormonelle Veränderung bei Frauen häufig nicht erst mit einem Estradiolmangel.
Bereits ab etwa Mitte bis Ende 30 verändert sich bei vielen Frauen zunehmend die Qualität der Eisprünge. Zyklen können noch regelmäßig erscheinen, während die Progesteronbildung in der zweiten Zyklushälfte bereits nachlässt. Mit zunehmender Perimenopause treten häufiger verkürzte Lutealphasen und Zyklen ohne ausreichenden Eisprung auf. Dadurch wird weniger Progesteron gebildet.
Estradiol verhält sich in dieser Phase anders: Es fällt zunächst häufig nicht gleichmäßig ab, sondern kann erheblich schwanken und zeitweise sogar hohe Werte erreichen. Dadurch kann ein relatives Ungleichgewicht zwischen Estradiol und Progesteron entstehen: ausreichend oder zeitweise viel Estradiol trifft auf zunehmend weniger Progesteron. Dieses Verhältnis wird häufig als relative Östrogendominanz bezeichnet.
Deshalb können bereits in der frühen Perimenopause Beschwerden auftreten, obwohl Estradiol noch keineswegs dauerhaft niedrig sein muss, aber Progesteron meist im Mangel ist. Dazu gehören beispielsweise stärkere oder veränderte Blutungen, Brustspannen, Schlafprobleme, prämenstruelle Beschwerden und Veränderungen der Zykluslänge.
Im weiteren Verlauf der Wechseljahre verändert sich schließlich auch die Estradiolproduktion immer stärker. Die Schwankungen werden ausgeprägter und mit dem Übergang in die Postmenopause sinkt die Estradiolproduktion häufig ab.
Eine moderne Hormonersatztherapie kann deshalb je nach hormoneller Situation unterschiedlich aussehen.
Der entscheidende Punkt ist:
Bei der Hormonersatztherapie werden fehlende oder nicht mehr ausreichend gebildete Hormone von außen ersetzt.
Bei einer Hormonregulation mit Hormoncremes in D4-Potenzen wird dagegen mit erheblich niedrigeren Hormondosen gearbeitet und ein anderes therapeutisches Konzept verfolgt.
Ich habe auch einen informativen Artikel zu Gewichtszunahme durch Hormonersatztherapie - machen Gynokadin und Famenita dick? veröffentlicht.
Hormonersatz (HRT) kann sehr sinnvoll sein
Ich möchte das ausdrücklich sagen.
Es gibt Frauen, deren Lebensqualität durch ihre Wechseljahresbeschwerden massiv beeinträchtigt ist.
Sie schlafen kaum noch.
Sie haben starke Hitzewallungen.
Sie wachen nachts schweißgebadet auf.
Sie entwickeln ausgeprägte Beschwerden der Vaginal- und Urogenitalschleimhaut.
Sexualität wird schmerzhaft.
Der Knochenstoffwechsel verändert sich.
Der Alltag wird zunehmend zur Belastung.
Hier kann eine individuell eingesetzte Hormonersatztherapie sehr hilfreich sein.
Die systemische menopausale Hormontherapie gehört zu den wirksamsten Behandlungsmöglichkeiten gegen vasomotorische Beschwerden wie Hitzewallungen und Nachtschweiß. Sie kann außerdem dem Knochenverlust entgegenwirken.
Hormone grundsätzlich abzulehnen, halte ich deshalb genauso wenig für sinnvoll wie sie jeder Frau pauschal zu empfehlen.
Ganzheitliche Begleitung in den Wechseljahren
Was mich stört, ist die Verharmlosung
Was ich derzeit in meiner Arbeit zunehmend erlebe, ist eine andere Entwicklung.
Frauen kommen bereits mit einer festen Vorstellung:
"Ich brauche Estradiol."
"Ich brauche Progesteron."
"Ich brauche Testosteron."
Und wenn ich frage, wie sie darauf kommen, höre ich immer häufiger:
"Das habe ich auf Instagram gesehen."
"Eine Gynäkologin hat erklärt, das sei unbedenklich."
"Alle Frauen sollten doch heute Hormone nehmen."
Genau hier wird es problematisch.
Denn ein Social-Media-Post kennt deine Krankengeschichte nicht.
Er kennt deine familiären Risiken nicht.
Er kennt deinen Blutdruck nicht.
Er kennt deine Brustgesundheit nicht.
Er kennt deinen Stoffwechsel nicht.
Er kennt deine Leber nicht.
Er kennt deine Nierenfunktion nicht.
Er kennt deine Schilddrüse nicht.
Und er weiß nicht, welche anderen Medikamente du einnimmst.
Hormonersatztherapie kann sinnvoll sein.
Aber sie ist keine Lifestyle-Empfehlung.
Social Media ersetzt keine individuelle Therapieentscheidung
Ich finde es gut, dass Frauen heute mehr über ihre Hormone wissen wollen.
Das Problem ist nicht Information.
Das Problem entsteht dort, wo Information zu einer pauschalen Therapieempfehlung wird.
Ein Reel auf Instagram oder facebook kann einen Zusammenhang erklären.
Es kann Aufmerksamkeit schaffen.
Es kann eine Frau dazu bringen, ihre Beschwerden endlich ernst zu nehmen.
Aber es kann keine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung ersetzen.
Und genau hier kommt für mich ein wichtiger Begriff ins Spiel:
Selbstverantwortung.
Selbstverantwortung bedeutet nicht, dass eine Frau ihre Therapie alleine festlegen muss.
Aber sie sollte verstehen:
Was nehme ich?
Warum nehme ich es?
Welche Alternativen gibt es?
Welche möglichen Risiken gibt es?
Wie lange soll ich es nehmen?
Wann wird überprüft, ob ich es noch brauche?
Welche anderen Faktoren könnten meine Beschwerden beeinflussen?
Gesundheit lässt sich nicht vollständig an eine Ärztin, einen Heilpraktiker, ein Medikament oder einen Social-Media-Account delegieren.
Auch bioidentisch bedeutet nicht automatisch harmlos
Ein weiterer Punkt wird heute häufig missverstanden.
Bioidentisch klingt natürlich.
Und natürlich klingt für viele Menschen automatisch sicher.
Aber Estradiol bleibt Estradiol.
Progesteron bleibt Progesteron.
Hormone binden an Rezeptoren und entfalten biologische Wirkungen.
Genau deshalb werden sie therapeutisch eingesetzt.
Und genau deshalb sollte auch mit bioidentischen Hormonen bewusst umgegangen werden.
Informiere Dich und lese meinen Blog Artikel zu: Hormonrezeptor-Resistenz - wenn deine Hormone nicht wirken
Die entscheidenden Fragen bleiben:
Welche Frau?
Welches Hormon?
Welche Dosis?
Welche Darreichungsform?
Welche Ausgangssituation?
Welche Begleiterkrankungen?
Welche Verlaufskontrolle?
Natürlich ersetzt keine therapeutische Sorgfalt.
Bioidentische Hormone - verständlich erklärt
Hormonersatz (HRT) und Hormonregulation sind nicht dasselbe
Hier liegt für mich der entscheidende Unterschied.
Bei einer klassischen Hormonersatztherapie steht die Substitution im Vordergrund.
Ein Hormon, das fehlt oder deutlich abgenommen hat, wird von außen in einer Dosis zugeführt, die eine pharmakologische Wirkung im Körper erzeugen soll.
Mein therapeutisches Konzept ist ein anderes.
Ich frage nicht ausschließlich:
Welches Hormon fehlt?
Sondern:
Warum ist die hormonelle Regulation dieser Frau aus dem Gleichgewicht geraten und welche Bereiche sind daran beteiligt?
Denn Hormone arbeiten nicht isoliert.
Zu einer hormonellen Dysbalance können aus meiner Sicht viele Regulationsbereiche beitragen:
Schilddrüse
Hypothalamus und Hypophyse
Nebennieren und Cortisolregulation
Insulin- und Zuckerstoffwechsel
Leber
Darm
Niere
Mikronährstoffversorgung
Schlaf
Stress
Bewegung
Muskelstoffwechsel
Entzündungsprozesse
Deshalb reicht mir die Frage
"Wie hoch ist Estradiol?"
nicht aus.
Mich interessiert:
Wie funktioniert die gesamte hormonelle und stoffwechselbezogene Regulation dieser Frau?
Denn genau das ist für mich entscheidend für eine erfolgreiche ganzheitliche Therapie.
Ich möchte nicht nur einen einzelnen Hormonwert betrachten oder ein fehlendes Hormon ersetzen. Ich möchte verstehen, warum die hormonelle Regulation aus dem Gleichgewicht geraten ist und welche Bereiche daran beteiligt sind.
Dazu gehören für mich unter anderem Eierstöcke, Nebenniere und Cortisol, Schilddrüse, Leber, Darm, Mikronährstoffe und der gesamte Stoffwechsel.
Denn Hormone wirken nicht isoliert. Sie sind Teil einer komplexen Regulation im Körper.
Mein Ziel ist deshalb nicht nur eine Verbesserung einzelner Beschwerden, sondern die hormonelle und stoffwechselbezogene Regulation möglichst umfassend zu unterstützen - für eine nachhaltige Stabilisierung und für deine ganzheitliche Gesundheit.
Bewusst anders: Hormonregulation statt nur Hormonersatz
Ich arbeite ebenfalls mit Hormonen - aber anders
Mir ist dieser Punkt besonders wichtig.
Ich arbeite in meiner Praxis sehr wohl mit bioidentischen Hormonen.
Mein Ansatz besteht nicht darin, bei Estradiolmangel lediglich Ernährungstipps zu geben oder bei hormonellen Beschwerden ausschließlich mit Pflanzenstoffen zu arbeiten.
Vor kurzem habe ich auf Instagram gelesen: esse Karotten für deinen Estradiolmangel - ernsthaft ? da musst du sehr viel Karotten essen, um einen Estradiolmangel zu beheben :-))
Ich setze im Rahmen meiner Hormonregulation unter anderem bioidentische Hormone in der homöopathischen Potenz D4 ein.
Dazu können beispielsweise Estradiol, Estriol, Progesteron, DHEA oder Testosteron gehören und Cortisol.
D4 bedeutet dabei nicht stofffrei.
Das jeweilige Hormon ist weiterhin vorhanden, allerdings in einer deutlich geringeren stofflichen Konzentration als bei einer klassischen pharmakologisch dosierten Hormonersatztherapie.
Genau deshalb ist eine D4-Hormoncreme für mich nicht einfach dieselbe Hormonersatztherapie in schwächer.
Das therapeutische Konzept ist ein anderes.
Meine Anfänge in der ganzheitlichen Frauenheilkunde
Ich arbeite seit über 17 Jahren in der ganzheitlichen Frauenheilkunde.
Und rückblickend bin ich sehr froh darüber, dass ich diese Arbeit wirklich von der Pike auf gelernt habe.
Als ich begonnen habe, standen uns die Möglichkeiten von heute noch nicht zur Verfügung.
Hormoncremes in D4-Potenzen gab es in dieser Form noch nicht.
Wir arbeiteten mit Hormon-Globuli, Naturheilkunde, anthroposophischer Medizin, Pflanzenheilkunde, Homöopathie und Mikronährstoffen.
Das bedeutete aber auch:
Wir konnten bei hormonellen Beschwerden nicht einfach zu einer Hormoncreme greifen.
Wir mussten viel genauer hinschauen und an den anderen Funktionen des Körpers arbeiten, um die hormonelle Regulation zu unterstützen.
Welche Rolle spielt die Schilddrüse?
Wie arbeitet die Nebenniere?
Was macht das Cortisol?
Wie funktionieren Leber und Darm?
Wie steht es um Stoffwechsel und Mikronährstoffversorgung?
Was braucht diese Frau, damit ihr Körper wieder besser in seine eigene Regulation findet?
Genau dadurch habe ich gelernt, Hormone nie isoliert zu betrachten.
Als später die Hormoncremes in D4-Potenzen hinzukamen, war das für mich ein großer therapeutischer Gewinn. Bei vielen Frauen konnten sich Beschwerden damit deutlich schneller verbessern.
Aber meine therapeutische Grundlage blieb dieselbe:
Nicht nur das Hormon behandeln. Die Regulation dahinter verstehen.
Denn eine Hormoncreme kann ein wichtiges Werkzeug sein. Sie ersetzt für mich aber nicht den Blick auf den gesamten Körper.
Und genau darin liegt bis heute der Kern meiner Arbeit:
Hormone unterstützen, ohne die anderen hormonellen und stoffwechselbezogenen Zusammenhänge aus den Augen zu verlieren.
Mit den D4-Hormoncremes wurden die Möglichkeiten größer. Gleichzeitig wurde es aber auch leichter, sich zu sehr auf die Hormone selbst zu konzentrieren.
Hormonregulation bedeutet für mich: unterstützen statt vollständig ersetzen
Mein Grundsatz lautet:
So viel Hormon wie nötig, so wenig wie möglich.
Bei meinem Regulationsansatz geht es nicht darum, möglichst vollständig fehlende Hormonmengen von außen zu ersetzen.
Ich möchte mit einer sehr niedrigen Hormonmenge unterstützen und gleichzeitig die körpereigenen hormonellen Regelkreise weiter in die Therapie einbeziehen.
Hypothalamus, Hypophyse, Eierstöcke, Schilddrüse, Nebenniere und weitere hormonbildende Organe bleiben für mich Bestandteil des therapeutischen Blicks.
Gleichzeitig berücksichtige ich Stoffwechsel, Leber, Darm, Niere, Stressregulation und Mikronährstoffversorgung.
Hormonregulation bedeutet für mich deshalb nicht:
Hormone vermeiden.
Sondern:
Hormone als Teil einer umfassenderen Regulation einsetzen.
Wichtig ist dabei auch die fachliche Grenze:
Die Annahme, dass eine sehr niedrig dosierte Anwendung in D4 hormonelle Regelkreise gezielt reguliert, gehört zum naturheilkundlichen Therapiekonzept. Die klinische Evidenz dafür ist nicht mit der umfangreichen Evidenz einer klassischen menopausalen Hormontherapie gleichzusetzen.
Für mich sind Regulation und Hormonersatz deshalb zwei unterschiedliche therapeutische Konzepte.
Hormon-Stoffwechsel-Regulation - den Körper nicht nur symptomatisch betrachten, sondern in seinen Zusammenhängen.
Was passiert eigentlich mit Hypothalamus und Hypophyse?
Der weibliche Hormonhaushalt wird über komplexe Rückkopplungsmechanismen gesteuert.
Hypothalamus, Hypophyse und Eierstöcke kommunizieren miteinander.
Die Hypophyse bildet unter anderem FSH und LH.
Estradiol und Progesteron wirken wiederum über Rückkopplungsmechanismen auf Hypothalamus und Hypophyse zurück.
Auch von außen zugeführtes Estradiol wird vom Körper erkannt und kann diese Rückkopplung beeinflussen.
Deshalb kann beispielsweise FSH unter einer Estrogentherapie sinken.
Ich würde trotzdem nicht behaupten:
Eine Hormonersatztherapie schaltet die Hypothalamus-Hypophysen-Achse dauerhaft aus.
Das wäre zu pauschal.
Richtig ist aber:
Jede relevante externe Hormonzufuhr greift in hormonelle Rückkopplungsmechanismen ein.
Und genau deshalb interessiert mich die Frage, wie viel hormonelle Unterstützung tatsächlich notwendig ist.
Aber können wir die Wechseljahre einfach wegregulieren?
Nein.
Auch das gehört für mich zu einer ehrlichen ganzheitlichen Frauenheilkunde.
Die Menopause ist keine Erkrankung, die durch die richtige Regulation verhindert werden kann.
Die Zahl funktionsfähiger Follikel im Eierstock nimmt im Laufe des Lebens ab.
Dadurch verändert sich die Produktion der Eierstockhormone.
Irgendwann endet die zyklische Eierstockfunktion.
Das ist ein natürlicher biologischer Prozess.
Hormonregulation bedeutet für mich deshalb nicht, einer 60-jährigen Frau den Hormonstatus einer 30-Jährigen zurückzugeben.
Das wäre weder realistisch noch mein therapeutisches Ziel.
Mich interessiert etwas anderes:
Wie gut kann der Körper mit diesem neuen hormonellen Zustand umgehen?
Denn genau hier unterscheiden sich Frauen erheblich.
Die eine Frau erlebt die Wechseljahre fast beschwerdefrei.
Die andere entwickelt massive Beschwerden.
Warum?
Genau diese Frage interessiert mich.
Hormonsprechstunde - Perimenopause und Wechseljahre
Mein Problem mit der Vorstellung einer automatischen Dauertherapie
Aktuelle medizinische Empfehlungen sehen keine starre Altersgrenze vor, ab der jede Hormonersatztherapie beendet werden muss.
Bei entsprechender Indikation und individueller Nutzen-Risiko-Abwägung kann sie längerfristig fortgeführt werden.
Meine persönliche therapeutische Haltung ist dennoch:
So viel wie nötig. So wenig wie möglich.
Damit meine ich nicht:
Hormone möglichst schnell wieder absetzen.
Ich meine:
Eine Therapie regelmäßig hinterfragen.
Braucht die Frau dieselbe Dosis weiterhin?
Braucht sie alle eingesetzten Hormone?
Was hat sich inzwischen verändert?
Welche anderen Regulationsbereiche konnten stabilisiert werden?
Kann eine Dosis angepasst werden?
Was muss beibehalten werden?
Therapie sollte für mich kein statischer Zustand sein.
Gesundheit bedeutet für mich mehr als Symptomkontrolle
Hier liegt wahrscheinlich der wichtigste Unterschied in meinem therapeutischen Denken.
Wenn eine Frau Hitzewallungen hat und Estradiol bekommt und die Hitzewallungen verschwinden, ist das zunächst ein therapeutischer Erfolg.
Aber für mich endet die Frage dort nicht.
Mich interessiert:
Warum reagiert diese Frau so stark?
Welche anderen Regulationsbereiche spielen eine Rolle?
Wie arbeitet ihre Schilddrüse?
Wie sieht ihre Stressregulation aus?
Wie stabil ist ihr Blutzucker?
Wie arbeitet ihre Leber?
Wie funktioniert ihr Darm?
Wie ist ihre Nierenfunktion?
Wie schläft sie?
Wie bewegt sie sich?
Wie entwickelt sich ihre Muskelmasse?
Welche Belastungen bestehen seit Jahren?
Hormone wirken nie in einem Vakuum.
Dein Stoffwechsel, besonders Leber, Darm und Niere spielen eine große Rolle bei deiner hormonellen Balance.
Diese Organe solltest du nicht außer Acht lassen, wenn es um Hormone geht.
Hat Dir deine Gynäkologe/-in schon mal Bitterstoffe zur Hormonersatztherapie dazu verordnet? Ohne gehst du bei mir nicht aus der Praxis - das ist die Basis. Auch checken wir deine Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente - hier findet sich oft ein Mangel bei vielen Frauen.
Weitere Informationen dazu findest du hier:
Bitterstoffe gut für deine Leber - Basis in der Naturheilkunde
Schilddrüse und Leber: deine Schilddrüse braucht Unterstützung
Hormonersatz (hRT) oder Hormonregulation?
Für mich muss daraus kein Glaubenskrieg werden.
Eine Frau kann eine Hormonersatztherapie erhalten und gleichzeitig ihre Stoffwechselsituation verbessern.
Sie kann Estradiol verwenden und gleichzeitig ihre Schilddrüse überprüfen lassen.
Sie kann Progesteron erhalten und gleichzeitig an Schlaf, Stressregulation und Ernährung arbeiten.
Und sie kann sich bewusst für einen naturheilkundlichen Regulationsansatz entscheiden, wenn dieser zu ihrer individuellen
Situation passt.
Die entscheidende Frage lautet für mich nicht:
Hormone ja oder nein?
Sondern:
Welche Form der Unterstützung braucht genau diese Frau?
Meine Position als Frau und Heilpraktikerin
Ich bin nicht gegen Hormonersatztherapie.
Ich bin nicht gegen Gynäkologie.
Und ich bin nicht gegen Medikamente.
Ich bin gegen therapeutische Vereinfachung.
Ich bin gegen die Vorstellung:
Hitzewallungen gleich Estradiolmangel gleich Estradiol.
Schlafstörung gleich Progesteronmangel gleich Progesteron.
Libidoverlust gleich Testosteronmangel gleich Testosteron.
So funktioniert der menschliche Körper nicht.
Und deshalb möchte ich Frauen auch nicht vermitteln:
"Nimm einfach Hormone, dann ist alles erledigt."
Für manche Frauen kann Hormonersatz eine sehr gute Entscheidung sein.
Für andere ist er nicht geeignet.
Und bei vielen Frauen ist eine Hormontherapie möglicherweise nur ein Teil einer umfassenderen Behandlung.
Was Gesundheit für mich bedeutet
Gesundheit bedeutet für mich nicht, jeden hormonellen Rückgang möglichst vollständig von außen auszugleichen.
Und Gesundheit bedeutet auch nicht, jede medizinische Behandlung abzulehnen.
Gesundheit bedeutet für mich:
Regulationsfähigkeit.
Anpassungsfähigkeit.
Zusammenhänge verstehen.
Ursachen und Verstärker suchen.
Den Stoffwechsel mit einbeziehen.
Therapien regelmäßig überprüfen.
Eigenverantwortung übernehmen.
Und Unterstützung dort einsetzen, wo der Körper sie tatsächlich braucht.
Deshalb lautet meine Frage in der Frauenheilkunde nicht nur:
Welches Hormon können wir ersetzen?
Sondern:
Was braucht dein Körper, damit Regulation wieder besser möglich wird?
Und wenn Hormone dafür sinnvoll sind, arbeite auch ich mit Hormonen.
Aber mit einem klaren Ziel:
So viel Unterstützung wie nötig und so viel körpereigene Regulation wie möglich.
Nicht gedankenlos.
Nicht pauschal.
Und ganz sicher nicht wie Smarties.
Heike Votteler
Heilpraktikerin & Dozentin
Seit über 17 Jahren spezialisiert auf ganzheitliche Frauenheilkunde, bioidentische Hormone und Hormonregulation
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