Bioidentische Hormone und Gewichtszunahme
Viele Frauen beginnen eine Behandlung mit bioidentischen Hormonen, weil sie unter Schlafstörungen, Hitzewallungen, Erschöpfung, Stimmungsschwankungen oder anderen Beschwerden der Wechseljahre leiden.
Und dann verändert sich plötzlich das Gewicht.
Der Bauch wird runder, die Waage zeigt mehr an oder der Körper fühlt sich aufgeschwemmt an. Schnell entsteht der Verdacht:
Machen bioidentische Hormone dick?
So einfach ist es nicht.
Bioidentische Hormone sind weder grundsätzlich Dickmacher noch Mittel zum Abnehmen. Sie können den Stoffwechsel, den Flüssigkeitshaushalt und das Körpergefühl beeinflussen. Eine Gewichtszunahme in der Perimenopause und in den Wechseljahren hat jedoch meist mehrere Ursachen.
Lese meinen Artikel über Gynokadin, Famenita - Gewichtszunahme durch Hormonersatztherapie?
Entscheidend ist deshalb nicht nur, welches Hormon verwendet wird. Entscheidend ist, ob Dosierung, Verhältnis der Hormone und die gesamte Stoffwechselsituation zur Frau passen.
In meiner Hormonsprechstunde & Regulationsanalyse im Allgäu betrachte ich deshalb nicht nur einzelne Hormone. Auch Schlaf, Stressregulation, Schilddrüse, Blutzucker, Verdauung und Stoffwechsel können eine wichtige Rolle spielen.
Progesteronmangel und hormonelle Beschwerden
Was sind bioidentische Hormone?
Bioidentische Hormone besitzen die gleiche chemische Struktur wie die entsprechenden Hormone, die der menschliche Körper selbst bildet.
Dazu gehören unter anderem:
Estradiol
Estriol
Progesteron
Testosteron
DHEA
In der ärztlichen Hormonersatztherapie werden beispielsweise Estradiol über die Haut und Progesteron in Form von Kapseln eingesetzt. Bekannte Präparate sind Gynokadin Gel und Famenita.
Bioidentisch bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Hormon in jeder Dosierung für jede Frau passend ist.
Auch ein körperidentischer Wirkstoff kann Beschwerden verursachen, wenn die Dosis, das Verhältnis der Hormone, der Einnahmezeitpunkt oder die Anwendungsform nicht zur individuellen Situation passen.
Wie sich konkrete Präparate auf Gewicht, Wassereinlagerungen und Körpergefühl auswirken können, erkläre ich ausführlich im Beitrag Gynokadin, Famenita und Gewichtszunahme.
Hormonersatztherapie in den Wechseljahren - Pro und Contra aus Sicht einer Heilpraktikerin
Machen bioidentische Hormone grundsätzlich dick?
Nein. Eine Behandlung mit bioidentischen Hormonen führt nicht zwangsläufig zu einer Gewichtszunahme.
Manche Frauen nehmen während einer Hormonersatztherapie zu. Andere verlieren Gewicht oder bemerken überhaupt keine Veränderung.
Häufig beginnt die Gewichtszunahme bereits vor der Hormoneinnahme.
Gerade in der Perimenopause verändern sich Estradiol und Progesteron nicht gleichmäßig. Die Hormonspiegel können deutlich schwanken. Gleichzeitig verändern sich häufig:
die Schlafqualität
die Muskelmasse
die Insulinempfindlichkeit
die Stressregulation
der Energieverbrauch
die Fettverteilung
Die Gewichtszunahme fällt dann zeitlich mit der Hormonbehandlung zusammen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Hormone allein die Ursache sind.
Gewichtszunahme oder Wassereinlagerung?
Nicht jede Veränderung auf der Waage bedeutet, dass tatsächlich mehr Körperfett entstanden ist.
Hormonschwankungen können die Flüssigkeitsverteilung beeinflussen. Frauen berichten beispielsweise über:
geschwollene Finger
schwere Beine
Spannungsgefühl in der Brust
einen aufgedunsenen Bauch
Gewichtsschwankungen innerhalb weniger Tage
ein allgemein aufgeschwemmtes Körpergefühl
Solche schnellen Veränderungen sprechen eher für Wassereinlagerungen als für eine deutliche Zunahme von Fettgewebe.
Zusätzlich kann ein geblähter Bauch den Eindruck erwecken, stark zugenommen zu haben, obwohl Verdauung und Darm die Hauptursache sind.
Es muss daher genauer unterschieden werden:
Hat tatsächlich das Fettgewebe zugenommen - oder handelt es sich um Wasser, einen Blähbauch oder eine veränderte Fettverteilung?
Mehr zu diesen Unterschieden findest du im Beitrag Hormonbauch bei Frauen ab 40.
Estradiol und Gewichtszunahme
Estradiol übernimmt im weiblichen Körper zahlreiche Aufgaben.
Es beeinflusst unter anderem:
Fettverteilung
Muskelstoffwechsel
Insulinempfindlichkeit
Schlaf
Appetitregulation
Knochenstoffwechsel
Schleimhäute und Gewebe
Sinkt Estradiol in den Wechseljahren, verändert sich bei vielen Frauen die Fettverteilung. Fett wird häufiger im Bauchbereich eingelagert, während es gleichzeitig schwerer werden kann, die Muskelmasse zu erhalten.
Das bedeutet jedoch nicht, dass mehr Estradiol automatisch zu einer Gewichtsabnahme führt.
Auch eine individuell unpassende Estradioldosierung kann mit Beschwerden einhergehen. Dazu können beispielsweise Brustspannen, Kopfschmerzen, innere Unruhe oder Wassereinlagerungen gehören.
Entscheidend ist nicht möglichst viel Estradiol.
Entscheidend ist eine zur Frau und zu ihrer aktuellen Lebensphase passende hormonelle Begleitung.
Progesteron, Famenita und Gewichtszunahme
Progesteron wirkt unter anderem auf das Nervensystem, den Schlaf, die Gebärmutterschleimhaut und den Flüssigkeitshaushalt.
Viele Frauen schlafen unter Progesteron besser und fühlen sich ruhiger. Ein erholsamerer Schlaf kann sich wiederum günstig auf Appetit, Stressregulation und Stoffwechsel auswirken.
Andere Frauen berichten unter einer Progesteronbehandlung über:
starke Müdigkeit
Benommenheit
verstärkten Appetit
Verdauungsveränderungen
Wassereinlagerungen
ein aufgeschwemmtes Körpergefühl
eine Gewichtszunahme
Das bedeutet nicht automatisch, dass Progesteron grundsätzlich dick macht.
Vielmehr müssen mehrere Fragen geklärt werden:
Passt die Dosierung?
Ist der Einnahmezeitpunkt geeignet?
Wie wird das Präparat angewendet?
Seit wann bestehen die Beschwerden?
Bestehen gleichzeitig Schilddrüsenprobleme oder eine Insulinresistenz?
Haben sich Schlaf, Bewegung oder Ernährung verändert?
Eine verordnete Hormontherapie sollte nicht eigenständig verändert oder abgesetzt werden. Beschwerden und mögliche Anpassungen gehören in die ärztliche Begleitung.
Gerade in der Perimenopause kann die Progesteronbildung bereits deutlich abnehmen. Mehr dazu findest Du auf meiner Seite zum Progesteronmangel in den Wechseljahren.
Östrogendominanz und Gewicht
Nicht immer besteht ein ausgeprägter Estradiolmangel.
Gerade in der Perimenopause sinkt Progesteron häufig früher ab, während Estradiol noch stark schwankt. Dadurch kann ein relatives Ungleichgewicht zwischen Estradiol und Progesteron entstehen.
Mögliche Begleiterscheinungen können sein:
Brustspannen
PMS
stärkere Blutungen
Wassereinlagerungen
Kopfschmerzen
Stimmungsschwankungen
ein aufgeschwemmtes Körpergefühl
Gewichtszunahme
Mehr über dieses hormonelle Verhältnis erfährst du im Beitrag Progesteronmangel und Estradioldominanz.
Auch hier gilt: Nicht jedes einzelne Symptom beweist eine Östrogendominanz. Beschwerden müssen immer im Gesamtzusammenhang betrachtet werden.
Warum der Bauch in den Wechseljahren zunimmt
Viele Frauen nehmen in der Perimenopause und in den Wechseljahren vor allem am Bauch zu.
Das liegt selten nur an einem einzelnen Hormon.
Mehrere Veränderungen können ineinandergreifen.
Die Muskelmasse nimmt ab
Mit zunehmendem Alter verliert der Körper leichter Muskelmasse. Dadurch sinkt der tägliche Energieverbrauch.
Wird nicht gezielt mit Krafttraining, Bewegung und ausreichender Eiweißzufuhr gegengesteuert, verbraucht der Körper bei vergleichbarer Ernährung weniger Energie als früher.
Die Insulinempfindlichkeit kann sich verändern
Insulin reguliert den Blutzucker und beeinflusst die Fettspeicherung.
Schlafmangel, Dauerstress, Bewegungsmangel, Muskelabbau und hormonelle Veränderungen können dazu beitragen, dass der Körper weniger empfindlich auf Insulin reagiert.
Fett wird dann häufig verstärkt im Bauchbereich gespeichert.
Insulinresistenz -Symptome bei Frauen
Cortisol und Dauerstress wirken mit
Chronischer Stress beeinflusst nicht nur die Psyche.
Er kann sich auch auf Schlaf, Blutzucker, Appetit, Heißhunger und Fettverteilung auswirken.
Viele Frauen essen nicht plötzlich wesentlich mehr. Ihr Körper verarbeitet Belastung, Schlafmangel und Mahlzeiten aber möglicherweise anders als früher.
Stress, Cortisol und Nebenniere - wenn dein Körper nicht mehr richtig reguliert
Der Schlaf wird schlechter
Schlafstörungen gehören zu den häufigen Beschwerden der Wechseljahre.
Wer dauerhaft schlecht schläft, hat häufig weniger Energie für Bewegung. Gleichzeitig können Hunger und Appetit zunehmen.
Eine passende Hormontherapie kann den Schlaf verbessern. Sie ersetzt aber nicht die grundsätzliche Regulation von Stress, Tagesrhythmus und Schlafgewohnheiten.
Die Schilddrüse kann beteiligt sein
Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kältegefühl und Antriebsmangel werden schnell ausschließlich den Wechseljahren zugeschrieben.
Es sollte jedoch auch geprüft werden, ob die Schilddrüse ausreichend arbeitet und ob weitere Stoffwechselfaktoren beteiligt sind.
Bioidentische Hormone sind kein Mittel zum Abnehmen
Eine gut passende Hormontherapie kann Beschwerden lindern.
Wenn eine Frau wieder besser schläft, weniger Hitzewallungen hat und sich belastbarer fühlt, kann sie leichter aktiv werden, regelmäßiger trainieren und ihren Stoffwechsel besser unterstützen.
Das ist ein indirekter Effekt.
Bioidentische Hormone lösen jedoch nicht automatisch:
Insulinresistenz
Bewegungsmangel
Muskelabbau
chronischen Stress
ungünstige Ernährungsgewohnheiten
Schilddrüsenprobleme
Nährstoffmängel
Verdauungsbeschwerden
Wer Hormone einnimmt und ansonsten nichts verändert, wird deshalb nicht automatisch abnehmen.
Das ist ein wichtiger Punkt:
Hormone können den Körper unterstützen. Sie ersetzen nicht die eigene Mitarbeit an Stoffwechsel, Muskelaufbau, Schlaf und Stressregulation.
Bioidentische Hormone - verständlich erklärt
Wann sollte eine Hormontherapie überprüft werden?
Eine Behandlung sollte ärztlich überprüft werden, wenn nach Beginn oder Veränderung der Hormone deutliche neue Beschwerden auftreten.
Dazu gehören beispielsweise:
rasche Gewichtszunahme
ausgeprägte Wassereinlagerungen
starke Müdigkeit
Brustspannen
Kopfschmerzen
innere Unruhe
verstärkter Appetit
zunehmender Blähbauch
deutliche Verschlechterung des Wohlbefindens
Dann reicht es nicht, nur auf die Waage zu schauen.
Wichtig sind unter anderem folgende Fragen:
Wann haben die Veränderungen begonnen?
Welches Präparat wurde begonnen oder verändert?
Welche Dosierung wird verwendet?
Wie und wann wird das Hormon angewendet?
Welche weiteren Beschwerden sind aufgetreten?
Hat sich der Schlaf verändert?
Wie entwickeln sich Bauchumfang und Gewicht?
Gibt es Hinweise auf Schilddrüsen- oder Blutzuckerprobleme?
Eine ärztlich verordnete Hormontherapie sollte nicht ohne Rücksprache verändert werden.
Welche Laborwerte können sinnvoll sein?
Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt immer von der individuellen Situation ab.
Je nach Beschwerden können unter anderem betrachtet werden:
Schilddrüsenwerte
Nüchternblutzucker
HbA1c
Nüchterninsulin
Homa Index
Blutfette
Leberwerte
Ferritin & Eisen
Vitamin B12
Vitamin D
hormonelle Werte passend zur Fragestellung
Ein einzelner Hormonwert erklärt jedoch selten die gesamte Gewichtsentwicklung.
Laborwerte müssen gemeinsam mit Beschwerden, Zyklusphase, Alter, Einnahmezeitpunkt, Medikamenten und Stoffwechselsituation bewertet werden.
Warum die individuelle Betrachtung so wichtig ist
Viele Frauen suchen nach Antworten auf Fragen wie:
„Macht Gynokadin dick?“
„Nimmt man von Famenita zu?“
„Welches Hormon hilft beim Abnehmen?“
Diese Fragen sind verständlich. Sie greifen aber zu kurz.
Zwei Frauen können dasselbe Präparat in derselben Dosierung anwenden und unterschiedlich darauf reagieren.
Eine sinnvolle Begleitung betrachtet deshalb nicht nur Estradiol oder Progesteron, sondern auch:
Beschwerden und zeitlichen Verlauf
Schlaf
Stressregulation
Schilddrüse
Blutzucker und Insulin
Verdauung und Darm
Muskelmasse
Bewegung
Ernährung
bisherige Hormonbehandlung
weitere Medikamente
Genau darum geht es in meiner Hormonsprechstunde & Regulationsanalyse.
Ich verordne keine verschreibungspflichtigen Hormone und ersetze keine gynäkologische oder ärztliche Behandlung. Ich unterstütze dich dabei, Beschwerden, Stoffwechsel und mögliche hormonelle Zusammenhänge strukturiert zu betrachten und sinnvolle nächste Schritte zu entwickeln.
Lese auch meinen Blog Artikel: Macht Hormonersatztherapie dick?
Was du selbst beobachten kannst
Bevor du die Hormone allein für die Gewichtszunahme verantwortlich machst, lohnt sich ein genauer Blick auf die vergangenen Wochen und Monate.
Frage dich:
Begann die Gewichtszunahme tatsächlich erst mit der Hormoneinnahme?
Hat sich mein Schlaf verändert?
Bewege ich mich weniger als früher?
Hat meine Muskelkraft abgenommen?
Esse ich häufiger zwischendurch?
Habe ich mehr Hunger oder Heißhunger?
Ist mein Bauch dauerhaft dicker oder vor allem gebläht?
Schwankt mein Gewicht innerhalb weniger Tage?
Habe ich geschwollene Finger oder Beine?
Bin ich stärker gestresst oder erschöpft?
Diese Beobachtungen ersetzen keine medizinische Untersuchung. Sie helfen aber dabei, die Situation genauer einzuordnen.
Machen bioidentische Hormone dick?
Bioidentische Hormone machen nicht grundsätzlich dick.
Sie können den Flüssigkeitshaushalt, Appetit, Schlaf und Stoffwechsel beeinflussen. Gleichzeitig verändert sich in den Wechseljahren weit mehr als nur Estradiol und Progesteron.
Deshalb lautet die entscheidende Frage nicht nur:
Welches Hormon nehme ich?
Sondern:
Was braucht mein Körper insgesamt, damit Hormone, Stoffwechsel, Schlaf und Stressregulation wieder besser zusammenspielen können?
Eine passende Hormontherapie kann unterstützen. Sie ist aber nur ein Teil des Gesamtbildes.
Wer langfristig etwas verändern möchte, muss auch Muskelaufbau, Bewegung, Ernährung, Schlaf, Stress und Stoffwechsel einbeziehen.
Welche Sprechstunde passt zu dir?
Die Hormonsprechstunde & Regulationsanalyse ist der passende Einstieg, wenn du deine hormonelle und stoffwechselbezogene Situation umfassend betrachten lassen möchtest.
Die naturheilkundliche Hormon-Kurzsprechstunde eignet sich, wenn du zunächst eine klar umrissene Beschwerde einordnen lassen möchtest.
Die Intensivsprechstunde & umfassende Regulationsanalyse bietet mehr Zeit für komplexe oder bereits länger bestehende Beschwerden.
Du möchtest deine Beschwerden, deine Hormonsituation und mögliche Stoffwechselzusammenhänge genauer betrachten lassen?
Heike Votteler, Heilpraktikerin
Ganzheitliche Frauenheilkunde
Oy-Mittelberg im Allgäu
Weitere Informationen
Bild zur Meldung
Weitere Meldungen
Kommentar schreiben
Formular ausfüllen und mitdiskutieren
Mit * markierte Felder müssen ausgefüllt werden.




