Die 3 Phasen der Wechseljahre einfach erklärt
Die 3 Phasen der Wechseljahre – verständlich erklärt
Viele Frauen denken bei Wechseljahren an Hitzewallungen und das Ausbleiben der Periode. Tatsächlich beginnen die Wechseljahre jedoch oft Jahre früher - und verlaufen in drei klar unterscheidbaren Phasen.
Wer diese Phasen kennt, versteht die eigenen Beschwerden besser und kann gezielter gegensteuern.
Überblick: Die Wechseljahre in drei Phasen
Prämenopause
Perimenopause
Postmenopause
Jede Phase ist hormonell unterschiedlich geprägt – und bringt eigene Symptome mit sich.
Phase 1: Prämenopause – der stille Beginn der Wechseljahre
Die Prämenopause ist der früheste Abschnitt der Wechseljahre. Sie kann bereits ab Mitte 30 oder Anfang 40 beginnen und wird häufig nicht als solche erkannt.
Was passiert hormonell?
Der Eisprung wird unregelmäßiger
Die Progesteronproduktion nimmt ab
Östrogen ist oft noch normal oder schwankt leicht
Typische Symptome der Prämenopause
Zyklusverkürzungen oder Zyklusunregelmäßigkeiten
verstärktes PMS
Brustspannen und Wassereinlagerungen
Reizbarkeit, innere Unruhe
erste Schlafprobleme
Wichtig:
Viele Frauen haben in dieser Phase „normale“ Blutwerte – und dennoch deutliche Beschwerden. Die Ursache liegt häufig in der beginnenden Progesteron-Dysbalance.
Phase 2: Perimenopause – die hormonell intensivste Phase
Die Perimenopause umfasst die Jahre vor und nach der letzten Menstruation. Sie ist für viele Frauen die belastendste Phase der Wechseljahre.
Hormonelle Veränderungen
starke Schwankungen des Östrogenspiegels
Progesteron bleibt dauerhaft niedrig
das hormonelle Gleichgewicht ist instabil
Häufige Beschwerden in der Perimenopause
Hitzewallungen und Nachtschweiß
Schlafstörungen
starke Stimmungsschwankungen
Zykluschaos (sehr kurze, lange oder ausbleibende Blutungen)
Konzentrationsprobleme
verstärkte Stressintoleranz
Einordnung:
Nicht der absolute Hormonwert ist entscheidend, sondern das ständige Auf und Ab. Das erklärt, warum sich viele Frauen in dieser Phase „nicht mehr wiedererkennen“.
Phase 3: Postmenopause – hormonelle Umstellung auf Dauer
Die Postmenopause beginnt 12 Monate nach der letzten Menstruation und dauert den Rest des Lebens an.
Was verändert sich jetzt?
Die Eierstöcke produzieren kaum noch Hormone
Progesteron wird nicht mehr so viel gebildet
Östrogen ist deutlich niedriger, aber weiterhin wirksam (z. B. aus Fettgewebe)
Erfahre mehr, weiter unten im Textverlauf.
Mögliche Symptome der Postmenopause
Gewichtszunahme und veränderter Stoffwechsel
trockene Schleimhäute
nachlassende Knochendichte
Gelenkbeschwerden
erhöhte Sensibilität von Schilddrüse und Nervensystem
Haarausfall oder Hautveränderungen
Wichtige Klarstellung:
Die Postmenopause bedeutet nicht automatisch „Östrogendominanz“. Entscheidend ist immer das Verhältnis der Hormone, die individuelle Stoffwechsellage und die Belastung durch Stress.
Warum das Wissen über die Phase entscheidend ist
Viele Frauen erhalten Aussagen wie:
„Ihre Werte sind in Ordnung.“
„Das ist normal in Ihrem Alter.“
„Da müssen Sie durch.“
Diese Aussagen greifen zu kurz.
Beschwerden lassen sich nur sinnvoll einordnen, wenn klar ist, in welcher Phase der Wechseljahre sich eine Frau befindet.
Was bedeutet „die Hormonproduktion findet noch statt – aber anders“?
Nach der letzten Menstruation stellt der Körper die hormonelle Steuerung um.
Hormone werden weiterhin gebildet, allerdings:
in geringerer Menge
an anderen Orten
mit anderem Ziel als im fruchtbaren Zyklus
Der Körper benötigt keine zyklischen Spitzen mehr (Eisprung, Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, Schwangerschaftsvorbereitung). Entsprechend sinkt der Bedarf.
Rolle der Eierstöcke in der Postmenopause
Die Eierstöcke sind nach der Menopause nicht „ausgeschaltet“, aber ihre Funktion verändert sich deutlich.
Keine Follikelreifung mehr
Kein Eisprung
Keine relevante Progesteronproduktion
Nur noch minimale Östrogenbildung
👉 Die Eierstöcke verlieren ihre führende Rolle, sind aber nicht vollständig inaktiv.
Wo werden die Hormone nach der Menopause produziert?
1. Fettgewebe (wichtigster Ort für Östrogene)
Umwandlung von Androgenen (v. a. Androstendion) zu Estron
Dieser Prozess läuft über das Enzym Aromatase
Je mehr Fettgewebe vorhanden ist, desto höher kann die Estronmenge sein
➡️ Deshalb spielt das Körpergewicht in der Postmenopause hormonell eine größere Rolle als früher.
2. Nebennieren
Die Nebennieren werden jetzt hormonell besonders wichtig.
Sie produzieren:
DHEA
Androstendion
Cortisol
Progesteron
Testosteron
Diese Hormone dienen als Vorstufen für weitere Umwandlungen im Körper.
➡️ Chronischer Stress kann hier massiv eingreifen und Beschwerden verstärken.
3. Peripheres Gewebe (Leber, Haut, Muskel)
In diesen Geweben finden Umwandlungsprozesse statt:
Estron ↔ Estradiol
Androgene ↔ Östrogene
Die Leber spielt dabei eine Schlüsselrolle für:
Hormonabbau
Umwandlung
Ausscheidung
➡️ Deshalb sind Leberfunktion und Darmgesundheit in der Postmenopause zentral.
Warum Progesteron nach der Menopause „anders“ ist
Mit dem Ausbleiben der Eisprünge endet die Hauptquelle von Progesteron: der Gelbkörper im Eierstock. Dadurch fehlen die typischen zyklischen Progesteronspitzen, die zuvor für Rhythmus, Schleimhautaufbau und viele neurovegetative Effekte relevant waren.
Progesteron wird jedoch weiterhin in kleinen Mengen gebildet, vor allem:
in der Nebennierenrinde (als Teil der Steroidhormon-Synthese)
in der Peripherie aus Vorstufen (Umwandlungen in Geweben)
In der Praxis bedeutet das:
Es gibt noch Progesteron — aber meist deutlich weniger und ohne die frühere zyklische Dynamik. Das kann erklären, warum viele Frauen in der Peri-/Postmenopause besonders sensibel auf Stress reagieren oder Schlaf und innere Ruhe „kippen“.
Die Postmenopause ist kein hormonfreier Zustand.
Sie ist eine Phase mit:
weniger Hormonen
anderen Produktionsorten
höherer Abhängigkeit von Stoffwechsel, Stress und Lebensstil
👉 Nicht die absolute Hormonmenge ist entscheidend, sondern wie gut der Körper mit dieser neuen Situation regulieren kann.
Wo wird Testosteron nach der Menopause gebildet?
Auch Testosteron entsteht weiterhin aus der Steroidhormon-Synthese, vor allem über:
Nebennieren (Vorstufen wie DHEA/Androstendion)
periphere Umwandlung in Geweben
die Eierstöcke können ebenfalls noch geringe Androgenmengen beitragen, deutlich weniger als früher
Wichtig ist: Nicht nur die Produktion, sondern auch Umwandlung, Bindung (SHBG) und Abbau bestimmen, wie viel biologisch verfügbar ist.
Wechseljahre sind ein Prozess – kein plötzlicher Zustand
Die Wechseljahre beginnen früher als viele denken und verlaufen individuell.
Wer die Prämenopause, Perimenopause und Postmenopause versteht, kann Symptome besser deuten und gezielt begleiten – statt sich hilflos zu fühlen.
👉 In weiteren Blogartikeln gehe ich vertieft auf einzelne Beschwerden, hormonelle Zusammenhänge, Stressachsen und ganzheitliche Begleitmöglichkeiten ein.
Heike Votteler · Heilpraktikerin
Ganzheitliche Frauenheilkunde im Allgäu
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