Gewichtszunahme
Gewichtszunahme bei Frauen: Wenn Hormone und Stoffwechsel mitreden
Gewichtszunahme kann viele Ursachen haben.
Natürlich spielen Ernährung und Bewegung eine wichtige Rolle. Aber gerade Frauen erleben immer wieder, dass sich ihr Gewicht verändert, obwohl sie nicht plötzlich wesentlich mehr essen oder sich deutlich weniger bewegen.
Besonders häufig höre ich das von Frauen in der Perimenopause:
"Ich esse eigentlich wie früher, aber plötzlich nehme ich am Bauch zu."
Oder:
"Was früher zum Abnehmen funktioniert hat, funktioniert heute überhaupt nicht mehr."
Gerade dann lohnt es sich, nicht ausschließlich Kalorien und Bewegung zu betrachten.
Hormone, Schilddrüse, Insulin, Stress, Schlaf, Muskelmasse und Veränderungen des Stoffwechsels können ebenfalls eine Rolle spielen.
Häufige Ursachen für eine Gewichtszunahme
Eine Gewichtszunahme kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden.
Dazu gehören unter anderem:
veränderte Ernährung oder höhere Energiezufuhr
weniger Bewegung
Verlust von Muskelmasse
chronischer Stress
Schlafmangel
hormonelle Veränderungen
Schilddrüsenunterfunktion
Insulinresistenz
bestimmte Medikamente
psychische Belastungen
Alkoholkonsum
Wassereinlagerungen
Erkrankungen
Veränderungen in Perimenopause und Wechseljahren
Nicht immer liegt nur eine Ursache vor.
Gerade bei Frauen ab 40 greifen häufig mehrere Faktoren ineinander.
Gewichtszunahme in den Wechseljahren
Viele Frauen beobachten ihre ersten deutlichen Veränderungen der Körperform bereits während der Perimenopause.
Dabei geht es nicht ausschließlich darum, dass die Zahl auf der Waage steigt.
Oft verändert sich vor allem die Fettverteilung.
Fett lagert sich zunehmend im Bauchbereich ein, während gleichzeitig Muskelmasse verloren gehen kann. Dieser Anstieg von abdominalem und viszeralem Fett während der menopausalen Transition ist gut dokumentiert.
Deshalb kann sich der Körper sichtbar verändern, selbst wenn das Gesamtgewicht zunächst gar nicht stark steigt.
Mehr dazu findest du unter Gewichtszunahme und Hormonbauch in den Wechseljahren.
Estradiol und die Veränderung der Fettverteilung
Estradiol spielt eine wichtige Rolle für Fettgewebe, Stoffwechsel und Körperzusammensetzung.
Während der Perimenopause schwankt Estradiol zunächst teilweise erheblich. Später nimmt die Estradiolproduktion insgesamt deutlich ab.
Mit dieser Veränderung geht bei vielen Frauen eine Verschiebung der Fettverteilung einher:
weg von einer eher hüft- und oberschenkelbetonten Fettverteilung hin zu einer stärkeren Fettansammlung am Bauch.
Insbesondere der Verlust der Östrogenwirkung wird mit einer Zunahme des viszeralen Fettgewebes in Verbindung gebracht.
Das bedeutet aber nicht:
"Zu viel Estradiol macht automatisch dick."
So einfach funktioniert die Gewichtsentwicklung in der Perimenopause nicht.
Progesteron und hormonelle Dysbalancen
Auch Progesteron verändert sich häufig bereits früh in der Perimenopause - es sinkt ab dem 35. Lebensjahr.
Wenn Eisprünge unregelmäßiger werden oder ausbleiben, wird weniger beziehungsweise unregelmäßiger Progesteron gebildet.
Aus meiner Praxiserfahrung sehe ich bei Frauen mit solchen hormonellen Veränderungen häufig gleichzeitig Beschwerden wie:
Wassereinlagerungen
Brustspannen
PMS
stärkeren Appetit
veränderte Blutungen
Schlafprobleme
zunehmende Gewichtsschwankungen
Ich betrachte deshalb Progesteron und Estradiol nicht isoliert, sondern in ihrem Zusammenspiel mit Zyklus, Beschwerden und Lebensphase.
Mehr dazu findest du unter Progesteronmangel und hormonelle Dysbalancen.
Östrogendominanz und Gewichtszunahme
In der naturheilkundlichen Frauenheilkunde wird häufig der Begriff Östrogendominanz verwendet.
Gemeint ist damit meist eine Situation, in der die Östrogenwirkung im Verhältnis zur Progesteronwirkung stärker ausgeprägt ist.
Aus meiner therapeutischen Erfahrung treten dabei häufig gemeinsam auf:
Wassereinlagerungen
Brustspannen
PMS
stärkere Blutungen
Völlegefühl
Gewichtsschwankungen
vermehrte Fettansammlung am Bauch
Heißhunger
Wichtig ist mir aber:
Eine Gewichtszunahme allein beweist keine Östrogendominanz.
Mehr dazu findest du unter Östrogendominanz erkennen und ganzheitlich betrachten.
Warum ausbleibende Eisprünge nicht einfach 300 kcal weniger bedeuten
Mit zunehmendem Alter und während der menopausalen Transition kann der tägliche Energieverbrauch tatsächlich sinken.
Dabei spielen aber mehrere Faktoren eine Rolle:
weniger Muskelmasse
geringere spontane körperliche Aktivität
altersbedingte Stoffwechselveränderungen
Schlaf
Veränderungen der Sexualhormone
Veränderungen der Fettverbrennung
individuelle Lebensweise
Ob und wie stark der Ruheenergieverbrauch durch die Menopause selbst sinkt, wird wissenschaftlich weiterhin diskutiert.
Der Wegfall eines Eisprungs bedeutet dagegen nicht, dass der Körper plötzlich täglich 300 kcal weniger verbraucht.
Das wäre eine viel zu einfache Erklärung für die Gewichtszunahme rund um die Wechseljahre.
Insulin und Bauchfett
Bei Gewichtszunahme gehört für mich auch die Bauchspeicheldrüse beziehungsweise die Insulinregulation in die Betrachtung.
Insulin steuert wesentlich mit, wie Glukose aufgenommen und Energie gespeichert wird.
Eine zunehmende Insulinresistenz kann unter anderem verbunden sein mit:
stärkerem Bauchfett
Heißhunger
Energietiefs nach Mahlzeiten
Schwierigkeiten beim Abnehmen
erhöhtem Nüchternblutzucker
erhöhten Triglyceriden
Viszerales Bauchfett und Insulinresistenz beeinflussen sich zudem gegenseitig und erhöhen langfristig das kardiometabolische Risiko.
Gerade deshalb reicht bei zunehmendem Bauchumfang manchmal ein normaler Nüchternblutzucker allein nicht aus, um die Stoffwechselsituation vollständig einzuschätzen.
Hormon-Stoffwechsel-Regulation - wichtiger Baustein in der Therapie.
Schilddrüse und Gewicht
Auch die Schilddrüse beeinflusst Energieverbrauch und Stoffwechsel.
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann unter anderem mit:
Gewichtszunahme
Müdigkeit
Kältegefühl
Verstopfung
trockener Haut
Haarausfall
verminderter Belastbarkeit
einhergehen.
Deshalb gehört die Schilddrüse bei einer ungeklärten Gewichtszunahme für mich mit in die Betrachtung.
Mehr dazu findest du unter Schilddrüse und Leber.
Stress, Cortisol und Gewicht
Chronischer Stress kann Gewicht auf verschiedenen Wegen beeinflussen.
Zum Beispiel über:
Schlaf
Appetit
Heißhunger
Bewegung
Blutzuckerregulation
Stressessen
Veränderungen des Tagesrhythmus
Cortisol spielt dabei eine wichtige Rolle, aber auch hier gilt:
Ein hoher Cortisolwert ioder ein nidedriger Cortisolspiegel st nicht automatisch die Ursache einer Gewichtszunahme.
Entscheidend ist das gesamte Stress- und Stoffwechselmuster.
Mehr dazu findest du unter Cortisol-Speicheltest: Stresshormon im Tagesverlauf messen.
Wassereinlagerung oder Körperfett?
Nicht jede Gewichtszunahme ist automatisch eine Zunahme von Fettgewebe.
Auch Wassereinlagerungen können das Gewicht verändern.
Typische Hinweise können sein:
Ringe sitzen plötzlich enger
Gewicht schwankt innerhalb weniger Tage
Hände oder Füße wirken geschwollen
Bauch oder Brust fühlen sich gespannt an
Gerade bei deutlichen oder neu auftretenden Ödemen sollte jedoch nicht einfach von "Hormonen" ausgegangen werden.
Herz, Nieren, Leber, Venen, Medikamente und andere Ursachen können ebenfalls eine Rolle spielen und sollten gegebenenfalls medizinisch abgeklärt werden.
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Lese meinen Artikel über Progesteron und Wassereinlagerungen.
Warum "weniger essen und mehr bewegen" manchmal zu kurz greift
Die Energiebilanz bleibt grundsätzlich wichtig.
Aber eine Frau, die schlecht schläft, Muskelmasse verliert, unter starkem Stress steht und gleichzeitig hormonelle sowie metabolische Veränderungen erlebt, startet unter anderen Voraussetzungen als zehn Jahre zuvor.
Deshalb finde ich den Satz:
"Du musst einfach weniger essen und mehr Sport machen"
für viele Frauen zu kurz gedacht.
Entscheidend ist vielmehr:
Welche Ernährung passt zur aktuellen Stoffwechselsituation?
Wie kann Muskelmasse erhalten oder aufgebaut werden?
Wie sieht die Insulinregulation aus?
Wie schläfst du?
Wie hoch ist deine Stressbelastung?
Und welche hormonellen Veränderungen bestehen?
Was du selbst tun kannst
Einige Grundlagen sind unabhängig von der individuellen Ursache sinnvoll:
ausreichend Eiweiß
viel Gemüse und ballaststoffreiche Lebensmittel
Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel reduzieren
regelmäßiges Krafttraining zum Erhalt der Muskelmasse
regelmäßige Alltagsbewegung
ausreichend schlafen
ausreichend stilles Wasser trinken
Alkohol reduzieren
Stress und Regeneration ernst nehmen
Gewichtszunahme ganzheitlich betrachten
In meiner Privatpraxis für ganzheitliche Frauenheilkunde betrachte ich ungeklärte Gewichtszunahme nicht ausschließlich anhand der Kalorienzufuhr.
Je nach Beschwerdebild können unter anderem berücksichtigt werden:
Progesteron und Estradiol
Zyklus und Wechseljahresphase
Schilddrüse
Insulin und Blutzuckerregulation
Cortisol und Stress
Schlaf
Leber
Darm
Mikronährstoffe
Ernährung
Muskelmasse und Bewegung
bestehende Medikamente und Erkrankungen
Aus meiner Praxiserfahrung zeigt sich häufig, dass gerade bei Frauen mehrere dieser Faktoren gleichzeitig zusammenkommen.
Mein Ziel ist deshalb nicht, einfach die nächste Diät zu empfehlen.
Entscheidend ist herauszufinden, warum dein Körper heute anders auf Ernährung, Bewegung und Belastung reagiert als früher.
Mehr über meine Vorgehensweise findest du unter Hormonsprechstunde und Regulationsanalyse.
Wann eine Gewichtszunahme abgeklärt werden sollte
Eine ärztliche Abklärung ist besonders sinnvoll, wenn:
du ohne erkennbare Veränderung sehr schnell zunimmst
deutliche Wassereinlagerungen auftreten
Atemnot oder Herzbeschwerden hinzukommen
starke Müdigkeit oder Kältegefühl bestehen
Medikamente neu begonnen wurden
dein Zyklus sich gleichzeitig deutlich verändert
Zeichen einer Insulinresistenz oder Stoffwechselstörung bestehen
Fazit
Gewichtszunahme bei Frauen ist nicht immer nur eine Frage von Disziplin, Essen und Bewegung.
Gerade während der Perimenopause verändern sich Körperzusammensetzung, Fettverteilung und Stoffwechsel.
Hormone spielen dabei eine Rolle, aber ebenso Alter, Muskelmasse, Insulin, Schilddrüse, Schlaf, Stress und Lebensstil.
Deshalb halte ich wenig von einfachen Erklärungen wie:
"Du hast zu viel Estradiol."
oder
"Du musst einfach weniger essen."
Die entscheidende Frage lautet:
Welche Faktoren tragen bei dir tatsächlich zur Gewichtszunahme bei?
Heike Votteler, Heilpraktikerin
Ganzheitliche Frauenheilkunde und Hormone
Oy-Mittelberg/Allgäu